Hey Kameradinnen und Kameraden,
schreibe euch gerade aus dem wunderschoenen Peking. bin heute mit dem Sleeping-Bus angekommen. es passiert so viel, dass es immer schwieriger wird alles zu verarbeiten bzw. auf Papier/ BLOG zu bringen. Deshalb werde ich hin und wieder auch ein paar Gedanken von Desi, unserer Reisebekanntschaft aus der Schwyz mit einbauen.
Dieser ganze Trip bringt Verena und mich immer wieder an unsere Grenzen. Mit Urlaub hat dies nur bedingt etwas zu tun, von Erholung ganz zu schweigen!!! Jedoch wird man immer wieder durch neue wahnsinnige Eindruecke entschaedigt- Natur bzw. unglaubliche Begegnungen mit Menschen und neuen Kulturen. Dafuer muten wir unseren Koerpern einiges zu.
In Ulan Bator- der Hauptstadt der Mongolei- leben eine Million Menschen. Die Stadt pulsiert, es ist erster September und somit erster Schultag. Das Verkehrschaos ist gewaltig, die Strasse zu überqueren lebensgefährlich, denn als Fussgänger wirst du schlichtweg ignoriert. Was mich am meisten fasziniert, sind die unzähligen Jurten, die hier mitten in der Stadt direkt neben den Hochhäusern stehen. Eine Zivilisation im Spannungsfeld zwischen Nomadentum und Sesshaftigkeit, uralten unverfälschten Traditionen und dem Drang nach Moderne. 46 Prozent der Mongolen haben ihre nomadische Vergangenheit noch nicht aufgegeben, sind entwurzelt wie die Sanddünen oder vielmehr verwurzelt im Wissen, dass das Umherwandern selbst das Zuhause ist. - Gerade so, wie wir uns als Reisende ohne Schneckenhaus im Moment fühlen.
Am 1. September ging es in die Wueste Gobi. Wir wollten kein Package und so haben wir uns einen alten russischen Militaerbus mit Driver und einen Guide gemietet. Zusammen mit Desi (42)aus der Schweiz , Hannah (21)aus Freiburg, Cecilia (21) und Morten (22) aus Schweden ging es los. Alle sind reiseerfahren, unkompliziert und gut drauf. Unverzichtbare Voraussetzungen für diesen Trip, denn vor uns liegen noch zirka 2000 Kilometer im Minibus durch die Wüste unter – sagen wir es mal so – aussergewöhnlichen Bedingungen. Unser Fahrer trinkt nicht, ist absolut verlässlich und auch die Übersetzerin Dawa ist die Ruhe und Geduld in Person, weiss zu allem und jedem eine Legende. Die ganze Truppe also ein Volltreffer. Essen wurde selbst eingekauft, schon das war ein Abenteuer. 10 Tage kein Luxus, kein Handy oder Internet. Wir konnten uns 2 Mal Duschen (einmal davon eiskalt).
Am Tage Wind und Hitze, in der Nacht noch mehr Wind und bittere Kaelte!!! Gott segne meinen Schlafsack und meinen Windbraker. Ihr koennt euch das nicht vorstellen: into the wild... Da gab es teilweise nix ausser Geroell, Sand und Ziegen oder Kamele. Eine unendliche Weite. Abends haben wir dann ein Nomadenzelt (GER) angesteuert und gefragt ob wir da schlafen koennen. Meist auf dem Boden. Zwischen Ziegenfleisch und anderen wirklich teilweise ekligen und unvorstellbaren Dingen. Wir waren eine super Gruppe, die echt cool blieb. Teilweise extremste Bedingungen. Nomaden waschen sich nur einmal im Monat richtig, ihr koennt euch nicht vorstellen wie oft man sich da ueberwinden muss. Am Ende stanken wir alle selbst nur nach Ziege. Was haengen bleibt ist mal wieder, dass unsere Gesellschaft im Luxus erstickt und wir trotzdem Jammern und noch mehr Jammern. diese Menschen hatten teilweise nichts und waren trotzdem so nett und gastfreundlich, waren stolz auf ihren wenigen Besitz. Die haben einfach nix. Das Fleisch liegt einfach so auf dem Boden rum. Die Brauen sich Ziegenwodka und Kamelwodka, Stuten- und Kamelmilch... Stellt euch ein Glas Wasser vor mit extremen Ziegen- oder Kamelgeschmack- ich musste natuerlich probieren...haette fast gereiert! Was ein Leben! Furchtbar! Zum Pi & Ka mussten wir in die Prärie laufen, an Tieren vorbei... hab mich teils gefuehlt wie Jesus...und dann die holprige Fahrt, teils Offroad...der Bus war weltklasse! Was der alles aushaelt. Dann diese Gruppendynamik. Wer spuelt bei diesen eisigen Temperaturen... hab teilweise mit Schafen und Ziegen gesprochen!!! Teils kurz vorm durchdrehen! Das Hirn rattert. Man kann sich nur manchmal durch Musik ablenken, wenn man noch Akku hat! Irgendwann war alles aufgebraucht!!! Dann endlich mal wieder ein Dorf mit Miniladen. Warten auf Benzin, welches eigentlich schon längst haette geliefert werden müssen. Glück! Ein anderer Fahrer verkauft uns einen Kanister Benzin. Back to the Roots! Und dann diese Natur! Kampf auf die Duenen, mit Hannah und 2 Mongolen (no English) ohne Ausruestung in eine Hoehle...kriechen durch Minispalten und Dunkelheit. Ein falscher Griff und es ist Aus. Verletzungen etc. Das krasseste Risiko welches ich je eingegangen bin. Raeuberleiter und Freiklettern. hannah und ich waren die Einzigen die sich getraut haben bzw. so bescheuert waren!!!
Unser Essen kochen wir selber mit Hilfe zweier Gaskocher, was ich anfänglich etwas uncool fand, da ich ja auf der Suche nach DEM authentischen Nomadenerlebnis war. Nachdem ich jedoch Ziegenkäse-, -fleisch, -joghurt, -kekse, -vodka (!) und die ganze Palette auch auf „Kamelisch“ probiert hatte, und das allermeiste einfach nur widerlich und ungeniessbar schmeckte, war ich mehr als zufrieden mit unseren Nudel-Gemüse-Gerichten.
Immer wieder fragen wir uns, wie diese Menschen ihr einfaches, ja spartanisches Leben mit dem so eintönigen Essen und fast ohne Unterhaltung und Ablenkung aushalten in dieser Einöde, in diesem Nichts, wo es nur Weite gibt.
Ich finde keine Worte, um diese Weite zu beschreiben. Den Blick in die Ferne gerichtet, sucht das Auge immer wieder nach Anhaltspunkten und findet sie alle paar Stunden in einer Jurte, einer Kamelherde, ein paar Pferden… Immer wieder sehen wir Fata Morganas. Dann scheinen die Herden und Jurten im Wasser zu stehen. Die Hügelketten in der Ferne wollen nicht näher rücken. Stunde um Stunde, Tag für Tag nähern wir uns neuen Hügelketten, durchfahren spektakuläre Canyons, um dahinter wieder nur endlose Weite zu finden.
Einmal übernachten wir bei einer besonders netten Familie, die ein paar Kamele um ihre Jurte stehen hat. Wir geniessen den glühend roten Sonnenuntergang und kurz darauf den orange leuchtenden Mondaufgang. Sowas habe ich noch nie gesehen! Ein roter Feuerball der aufgeht. Manchmal flash einen das alles hier so, dass man einfach los rennt oder beginnt zu singen und zu tanzen. Im Hintergrund singen die Baby-Kamele in noch nie gehörten langgezogenen und herzergreifenden Tönen nach ihren Müttern, die erst in der Nacht zu ihnen gelassen und gemolken werden, weil sie dann mehr Milch geben. Nach dem Essen spielen wir ein mongolisches Kartenspiel. Wer die Runde verliert, muss einen Vodka trinken oder ein Lied singen. Als endlich der 16-jährige Sohn der Familie an der Reihe ist, trinkt er nicht etwa den Vodka, sondern singt ein Lied von herzergreifender Traurigkeit und Schönheit. Der Junge singt von Mutterliebe und von der Freude übers Wiedersehen.
Mitten in der mongolischen Wüste, ganz im Süden der Gobi, erstrecken sich Sanddünen auf einer Fläche von 180 auf 6 Kilometern. Nicht nur wegen der Aussicht lohnt sich der alle Kräfte raubende Aufstieg auf 300 Meter Höhe. Beim Runterspringen und -purzeln durch den Sand hört man die Dünen singen! Der herunterfallende Sand komponiert zusammen mit dem Wind diese seltsamen Töne. Unglaublich!!! Ich kraxel da auf diese Düne rauf; zwischendurch dachte ich, ich muss aufgeben. Aber nein- komm, nochmal 5 Meter...Pause....Schnaufen, Atemnot...weiter...immer weiter...Füsse raus aus dem Sand...weiter...quäl dich, du Sau! Ich habe noch keinen Gong gehört! Eine Runde noch...nur noch eine!Kahn, Matthäus, Boris Becker (nein, nicht Roger Federer Desi), Rocky Balboa und Effenberg! Auf gehts Di Buono...weiter...wo sind die anderen? Außer Sichtweite...mist....ich versinke...ist das gefährlich? Sandlawinen? Da bröckelts schon...mist da sehe ich Verena unter mir...also weiter...und endlich....ich bin da...Berg(Dünen)vagabunden sind wir!!! Was ein Gefühl!!! Da sitze ich auf einer Düne und blicke in die Wüste. Komme mir vor, als ob ich in ein bekanntes Wüstenbild an der Wand geklettert bin und da im Rahmen sitze. Keine Worte!!! Bin am nächtsten Morgen gleich nochmal mit Hannah hoch.
Zwei Tage später erfahren wir per Zufall, dass in der Nähe ein Nadaam stattfindet. Was für ein Glück wir haben! Ein hoher Regierungsbeamter besucht die Region und zu seinen Ehren wird ein Pferderennen und Ringwettkampf veranstaltet. Nichts wie hin! Wir sind die einzigen Touristen. Die Jockeys sind Buben im Alter zwischen 9 und 12 Jahren, geritten wird auf einjährigen Pferden auf Teufel komm raus und ohne Helme. Das Rennen geht über zehn Kilometer. Vor dem Gabentempel (Motorrad und Computer) werden Lobhudeleien ausgetauscht, wird gesungen und musiziert, bis der Ringkampf folgt, der durchaus mit unserem Schweizer Hosenlupf verglichen werden kann, denn verlieren tut, wer zuerst auf dem Rücken liegt. Nur dass die Ringer hier im engen Slip kämpfen und kurze, farbige Jäckchen tragen, welche vorne offen sind, damit sich auch ja die Geschichte nicht wiederholt, nach der früher mal eine Frau einen Wettkampf gewonnen haben soll. Vor dem Kampf umkreisen die durchtrainierten Männer die mongolische Fahne im Zeitlupentempo, die Arme weit ausgebreitet einen Adler imitierend, um ihre Kraft zu demonstrieren. Was für unglaubliche Bilder! Plötzlich lebt die Wüste wild und bunt! wir kommen nicht mehr aus dem Staunen heraus.
Die Nomaden haben uns alles angeboten und nichts erwartet. Am letzten Tag unseres Trips ist es so windig, dass wir unmöglich draussen kochen können. Unser Fahrer hält bei einer Jurte und fragt die Familie, ob wir im Zelt unser Mittagessen zubereiten dürfen. Uns wird Ziegenkäse, -tee und -joghurt angeboten. Wir kochen zum letzten Mal Nudeln mit Tomaten-Gemüse-Sauce und teilen mit der Familie, überlassen ihnen unsere restlichen Lebensmittel. Die Nomaden-Frau weint bei unserem Abschied und auch Dawa, unsere Übersetzerin, weint, weil die gute Frau sie so sehr an ihre Mutter erinnert.
Auf diesem Trip ist unsere Gruppe zu einer kleinen Familie zusammengewachsen. Wir haben viel gelacht, unglaublich bizarre Landschaften bestaunt, von den Nomaden gelernt, zweimal geduscht – was für ein Gaudi – und sogar kühles Bier und Eiscreme haben wir in den kleinen Dörfern gefunden. Aber nach zehn Tagen haben wir genug von der weiten Wüste, den harten Nächten und dem eintönigen Essen. Der Abschied von Dawa und dem Fahrer fällt nicht leicht. Aber Leute, vor uns liegt das Schlaraffenland China! Wer will da Trübsal blasen! Also immer weiter mit dem Nachtzug an die Grenze und im Schlafbus nach Beijing.
Ich koennte so viel erzaehlen, aber schaut euch die Bilder an. Kann nicht in Facebook- zensiert! Schreibt mal Kommentare ihr Faulis!!!
Freue mich nun auf China und hoffentlich bissle Entspannung... Guten Schulanfang :-), Happy Birthday Marco....Freu mi auf di....
Big Hugs, Andy
Mist...hier geht nix! Kein Facebook und keine Bilder...Muss schon die ganze Zeit auf andere Seiten um der Zensur zu entgehen...Muestt euch mit den Bildern wohl noch gedulden :-(
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3 Kommentare:
Hey Andy.
Manche Internetzugänge sind wohl nicht gesperrt, musst da bisl rumprobieren, ist halt mühsam.....aber ne Freundin wohnt grad in Peking und die postet au jeden Tag bei Facebook.....wird scho :-)
Grüße aus Stuggi....Oli wird sich au mal noch melden, wollte letztes Mal schon was schreiben, aber das hat dann nicht so geklappt....
Viel Spaß beim Trip und passt auf Euch auf :-)
Hey fradelino,
freu mich riesig das ich dich bald bisschen auf deinem trip zu dir selbst ein stückweit begleiten darf! bacione marco
halt durch rocky....keine schmerzen! mit don faulo kommst in thailand schon wieder bissle zum relaxen!
Hey Andyle,
hab durch Stöbern endlich Deinen Blog gefunden. Steh grad vor meiner mündlichen und letzten Prüfung, die aber in keinsterweise mit Deinen Prüfungen zu vergleichen ist. Da kann ich ja richtig froh sein;))
Also weiterhin vollgas in die Abenteuer, die unser Leben für uns bereit hält!
Dicken Schmatz, Michi
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